Ein historischer Schritt für Garching: Die Ortsdurchfahrt soll zur Ortsstraße werden
Nach jahrzehntelangen Diskussionen steht Garching vor einer verkehrspolitischen Zäsur: Der Stadtrat hat beantragt, die Staatsstraße St2350 – also die Münchener und Freisinger Straße – zur städtischen Ortsstraße abzustufen. Damit gewinnt die Stadt endlich mehr Gestaltungsspielraum für die eigene Verkehrspolitik.
Diese Entwicklung geht auf einen gemeinsamen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen und den Bürgern für Garching (BfG) zurück. Grundlage ist eine aktuelle Verkehrsuntersuchung des Büros Obermeyer, die bestätigt: Der Durchgangsverkehr macht nur etwa 14 bis 21 Prozent aus – die Straße dient also überwiegend dem Ziel- und Quellverkehr innerhalb Garchings. Damit erfüllt sie nicht mehr die Voraussetzungen für eine Staatsstraße.
Mit der Abstufung kann Garching künftig eigenständig über Maßnahmen wie Tempo 30, Fahrradschutzstreifen oder eine Neugestaltung des Straßenraums entscheiden. Auch das Konzept einer Shared-Space-Zone – also eines gleichberechtigten Verkehrsraums für alle Verkehrsteilnehmer – könnte so realistischer werden.
Dr. Josef Koch (BfG) betont:
„Nach Jahrzehnten des Stillstands ist das ein richtiger und überfälliger Schritt. Endlich kann die Stadt selbst gestalten, wie ihre Hauptstraße aussehen soll.“
Kritische Töne zum Neubauprojekt an der Münchener Straße 11
Weniger positiv bewerten die Bürger für Garching das geplante Neubauprojekt an der Münchener Straße 11 – auf dem Grundstück der früheren Bäckerei Scharl. Hier plant der Bauherr ein Wohn- und Geschäftshaus mit Verkaufsräumen im Erdgeschoss und zehn Appartements in den Obergeschossen.
Die Stadtverwaltung hat dem Bauherrn Befreiungen vom Bebauungsplan in Aussicht gestellt – etwa höhere Traufhöhen, größere Erker über dem Gehweg und breitere Schaufensterflächen. Auch die künftige Verkehrsführung und Stellplatzregelung werfen Fragen auf: So sollen überdachte Stellplätze über öffentliche Flächen erschlossen und öffentliche Parkplätze umgebaut werden.
Norbert Fröhler (BfG-Stadtrat) kritisiert die umfangreiche Befreiungen, welche hinter verschlossenen Türen beschlossen wurden, und erklärt dazu:
„Das öffentliche Stellplätze für den Stellplatznachweis herangezogen werden, ist ein Novum in Garching. Ich kann damit leben, dass Stellplätze im Ortskern abgelöst werden. Aber stellen wir uns vor, das Grundstück an der Kirche wäre im Besitz der Stadt Garching – welche Möglichkeiten zur Gestaltung und Aufenthaltsqualität sich dann eröffnen würden.
Auch die Frage nach der Verkehrsführung bleibt aktuell: Eine leicht veränderte Straßenführung könnte die Gelegenheit bieten, den Bereich rund um die Kirche, den Neuwirt und die neue Bebauung zu einem harmonischen Ortszentrum mit Shared-Space-Charakter umzugestalten.
Bürgerbeteiligung und Transparenz gefordert
Beide Themen – die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt und die Neubebauung an der Münchener Straße – betreffen den historischen Ortskern unmittelbar. Die Bürger für Garching fordern daher, dass alle Planungen offen kommuniziert und Bürger frühzeitig beteiligt werden. Denn letztlich gehe es nicht nur um Asphalt, Parkplätze und Fassaden, sondern um die Frage, wie Garching künftig aussehen und funktionieren soll.
Wer durch Garching fährt, sieht Baukräne und moderne Fassaden. Die Stadt boomt. Doch wer hier Wurzeln schlagen will, stößt schnell auf eine harte Realität. Ein Blick auf die Geschichte, die Preise und eine beispielhafte Finanzierung Weiterlesen
Ausgangslage Der Straßenverkehr ist mit einem Anteil von 15% ein großer Emittent von CO2 in Deutschland. Die CO2-Emissionen in diesem Bereich sind in den letzten 30 Jahren in Deutschland nicht gesunken, sondern stagnieren auf dem Weiterlesen
Leserbrief zum Artikel vom 28. Mai 2024 von Sabina Brosch „Dieser Festplatz schreckt Wirte ab“ Wo war in Garching in den letzten Jahrzehnten nicht schon einmal ein Bierzelt im Rahmen der Bürgerwoche gestanden. Dort wo Weiterlesen
0 Kommentare